Presse-Archiv

Herbstwanderung mit Bergbauinformationen - 5. Oktober 2011

Turngau-Ehrung für Helmut Feisel

 

Herbornseelbach (ab) Der neue Wanderwart des Turnvereins 1897 e.V. ist seit der letzten Jahreshauptversammlung Christian Görzel. Er hat Helmut Feisel, Förster i.R., abgelöst, der dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hat. Für viele Jahre ehrenamtliche Tätigkeit als Vorstandsmitglied und Fachwart im Turnverein wurde er am Tag der Deutschen Einheit hierfür vom Turngau Lahn-Dill geehrt. Die diesjährige Herbstwanderung stand unter dem Motto „Bergbaugeschichte in Herbornseelbach“.

 

Nur wenigen von den zahlreichen Interessenten aus der Herbstwanderung war bewusst, dass der Schelder Wald mit seinen Eisenerzvorkommen bereits mit dem Waldgebiet nördlich der ehemaligen Aartalkaserne beginnt. Deswegen war auch der Ausgangsort an der neu aufgestellten und mit Eisenerz beladenen Lore vor dem Friedhof an der alten Hohen Straße. Diesen historischen Weg benutzten früher die Bergleute bis zur Scharrenwiese als Fußweg. Von hier ging es über das „Gruwwepädche“ (Grubenpfad) über eine Steilstrecke im Barskopf an Grube Falkenstein vorbei zu den Eisenerz-Gruben im Schelderwald. Von dem für die Herbstwanderung auserwählten Weg führten etliche Abzweigungen zu den vielen heute noch erkennbaren Pingen. Da sind Vertiefungen an der Erdoberfläche, die durch Einsturz alter Grubenbaue trichterförmig entstanden sind. Solche Pingen sind verstreut zu Hunderten im Schelderwald und somit auch sehr viele in der Herbornseelbacher Gemarkung aufzufinden.

 

Da weder der Wanderweg noch andere Waldwege an solchen verbuschten und mit Laub abgedeckten Vertiefungen vorbeiführen, waren die historischen Informationen des Wanderwartes an Ort und Stelle hochinteressant. Recherchen von Christian Görzel waren beim Bergamt und  im Staatsarchiv vorausgegangen. In den Pingen waren im 17. und dem frühen 18. Jahrhundert über Generationen ganze Familien einschließlich deren Kinder mit dem Eisenstein-Abbau beschäftigt. In Handkarren wurde das Erz aus dem Wald gefahren und zur Einschmelze verkauft. Schaut man in alten Kirchenbüchern und  Familienchroniken nach, dann findet man für die Berufsbezeichnung in den meisten Fällen die Angabe Bergmann und für den Nebenerwerb noch Landwirt. Kleinstbergbau wurde u.a. in der Gemarkung Seelbach vorwiegend im Apfelsberg, dem Wickenhain, im Süßenrain und dem Milchertswiesenkopf betrieben. Das waren  auch die Anlaufstellen für die Wandergruppe.

 

Am nördlichsten Gemarkungs-Grenzstein mit der Nr. 116 erreichte die Wandergruppe das Abbaugebiet des Oberschelder Steinbruchs. Seit Jahrzehnten wird hier Diabas abgebaut. Seit einigen Wochen befindet sich der Abbau infolge vertraglicher Vereinbarung mit der Stadt Herborn in der Seelbacher Gemarkung. Eine Steinbruch-Erweiterung war nur in südlicher Richtung möglich. Vorbei an der alten Grube „Titus“ im Süßenrain ging es durch das „Lohrtal“ hinunter in das Monzenbachtal. Hier überschritt die Wandergruppe die alte Grenze zum „herrschaftlichen“ Staatswald, der Volpertsberg genannt wird. Der Grenzverlauf war noch gut durch einen Graben und „herrschaftliche“ Grenzsteine zu erkennen. Finanzielle Schwierigkeiten nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten dazu geführt, dass aus dem Gemeindewald ein Staatswald wurde. Die Probleme, die sich im Volpertsberg durch einen neuen Steinbruch ergeben, wurden der Wandergruppe nochmals vor Ort ins Bewusstsein geführt. Aktuell freuen sich die Seelbacher darüber, dass dieses Thema zur Zeit auf Eis liegt.

 

Durch den Stockberg und über das Bitzen kam die TV-Wandergruppe wieder an den Ausgangspunkt zurück. Sie kehrte zu einem gemütlichen Beisammensein in den Seelbacher Hof ein. Hier übernahmen das Vorstandsmitglied Friedel Dietrich vom Turngau Lahn-Dill und Conni Göbel, die Vorsitzende des TV 1897 e.V., die eingangs erwähnte Ehrung für Revierförster i.R. Helmut Feisel. Neben einer Urkunde und der Turngau Ehrennadel in Silber erhielt Helmut Feisel auch noch ein Vereinsgeschenk überreicht.

 

Text: Alfred Benner 5. Okt. 2011 - Fotos im Webalbum: Friedhelm Claas